Lernen braucht Bewegung

Inwieweit hat Bewegung auf das Lernen Einfluss? Schon Piaget, Schweizer Psychologe beschrieb 1940, dass Denken und Handeln in der frühkindlichen Entwicklung nicht zu trennen seien. Zwar nimmt die Bedeutung dieses Zusammenhangs im Laufe des Lebens eines Menschen ab, ist jedoch nie ganz von einander zu trennen. Seit Piaget wurde dieses Thema immer wieder untersucht und heute ermöglichen moderne Untersuchungsmethoden immer mehr Einblick in dieses Thema.

Was Piaget vor mehr als 60 Jahren andeutete, ist heute Gewissheit. In der frühkindlichen Entwicklung bedingen sich motorische bzw. kognitive Entwicklungsschritte gegenseitig. Dass heißt, eine geistige Entwicklung ist auch immer von der Entwicklung der Motorik abhängig. Kommt es in den einzelnen Phasen zu mangelhaften oder gestörten Bewegungsabläufen kann dies später zu Lernschwierigkeiten führen.

Nicht nur Sport- und Kinderärzte sondern auch Erzieher und Lehrer beklagen körperliche Leistungsdefizite und motorische Auffälligkeiten der Kinder. Die Gründe für diese Entwicklung sind zahlreich. Oft fehlt es an den Möglichkeiten für das Spielen und Bewegen, zum anderen reduzieren viele Schulen ihren Sportunterricht zugunsten anderer Fächer. Computer und Fernseher tun ihr übriges dazu - stundenlang kann in der Freizeit davor gesessen werden. Neben dem Thema Bewegungsmangel ist seit geraumer Zeit ein weiteres Phänomen zu beobachten – nämlich das Zurückgehen der schulischen Leistungen.

"Wie kommt die Logik in die Köpfe der Kinder hinein?"

Zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Bewegung und kognitiver Fähigkeit (Lernen). Dabei unterscheiden die Forscher zwischen Bewegungen die direkt den Lernprozess unterstützen (spezifische Einflüsse) und Bewegungen die nicht direkt mit dem Lernstoff in Verbindung gebracht werden können, die sich aber lernfördernd auswirken (unspezifische Einflüsse). Beispielsweise erinnerten sich Studenten in einem Experiment besser an die zu lernenden Begriffe, wenn sie sich diese gleichzeitig mit Gesten einprägen konnten, als Studenten, die nur ruhig auf dem Stuhl saßen. Kinder mit einer guten Gesamtkörperkoordination schnitten bei Konzentrationstests am besten ab und bestätigen somit den Zusammenhang. Tägliche Bewegung beeinflusst das Verhalten der Kinder nachhaltig, wobei sie weniger aggressiv, die Gefahr von Unfällen geringer und die Motivation für die Schule größer waren.

Erklärungsmodelle aus der Forschung

Die Wissenschaftler haben folgende Erklärungen für die oben beschriebenen Ergebnisse:

Alles was wir lernen, wird durch die Verbindungen der Nervenzellen in unserem neuronalen Netz nachgebildet. Elektrochemische Impulse werden von Neuronen an den Synapsen zu anderen Neuronen übertragen. Je häufiger diese Signale erfolgen, desto stärker und stabiler sind die neuronalen Verbindungen. Treffen nun Signale geistiger und motorischer Areale im Gehirn gleichzeitig auf ein Neuron, werden in diesem Falle die Verbindungen nachhaltiger und schneller gestärkt. Beispielsweise haben lese- und rechtschreibschwache Kinder, die zusätzlich gezielte schreibrelevanten Bewegungsübungen durchführen, einen größeren Lernerfolg.

Bewegungen bewirken im allgemeinen eine größere Durchblutung im Gehirn und stärken synaptische Verbindungen. Dabei regt Muskelbewegung, die Produktion sogenannter Neurotrophine (Nervenwachtumsfaktor) an, welche wiederum das Wachstum von Nervenzellen (Neuronen) unterstützen und dadurch die Anzahl neuronaler Verbindungen vergrößern. Dieser Prozess unterstützt die Neubildung und Erhaltung neuronaler Netze. Aus dem Ausdauersport weiß man, dass die Botenstoffe Serotonin und Dopamin während eines Langstreckenlaufes ausgeschüttet werden können. Geschieht dies, geraten Jogger in einen Art körpereigenen Rauschzustand. Beide Botenstoffe sind wichtig für die Anpassung und Umstrukturierung neuronaler Strukturen. Neurotrophine sowie auch Botenstoffe tragen somit zu einem besseren Erinnern und Lernen bei.

In einer weiteren Studie haben Forscher Kinder über das Thema „Lern- und Bewegungsbedingungen“ nach ihrer Meinung gefragt. Dabei ließen sich die Vorstellungen der Kinder von einem Klassenzimmerunterricht in drei Prinzipien bündeln:

  • Bewegungsfreiheit am Arbeitsplatz
  • Wechsel von Arbeits- und Bewegungsphasen
  • Verknüpfung von Lernen und Bewegung

Was kann getan werden oder: Wie der Geist jung bleibt!

Was folgt nun daraus? Bewegung jeglicher Art (wenn sie nicht übertrieben wird) hält nicht nur fit sondern stärkt den Geist. Auch Spielen ist für Kinder überaus wichtig, denn hier werden motorische Bewegungen im Spaß trainiert, geübt und gleichzeitig der geistige Horizont erweitert, indem neurologisch gesehen, neue Verbindungen von Neuronen verknüpft und gestärkt werden. Dies gilt für Jung und Alt!

Schüler haben sehr oft Probleme mit dem Lernen. Sie sind unkonzentriert, müde und lustlos. Gezielte Bewegungsübungen vor aber auch während der Lernphase aktivieren das Gehirn und lösen unter Umständen Stress sowie Blockaden auf. Lernen und merken fällt in diesen Augenblicken leichter. Diese Übungen werden unter anderem auch in der Lernberatung von Galileo Lernförderung eingesetzt.

Paul E. Dennison entwickelte in den 70er Jahren im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit an der University of Southern California das Brain-Gym®-Programm mit insgesamt 26 Übungen, die effektives Lernen ermöglichen. Brain-Gym® („Gehirngymnastik“) verbindet Elemente aus der Chiropraktik, der Neurologie, der Lerntheorie- und Lernpsychologie und alternative Ansätze wie die Energielehre der traditionellen Chinesischen Medizin. Dennison erkannte in seinen zahlreichen Untersuchungen, dass das Körper-Geist-System durch Bewegungen positiv beeinflussbar ist. Dass heißt: Bewegung erleichtern das Lernen wenn Stressoren oder Blockaden den Lernprozess behindern. Die 26 Brain-Gym®-Übungen helfen diese Blockaden aufzulösen und setzen den Lernprozess wieder in Gang. Dennison selbst arbeitete sehr intensiv mit Schülern, doch natürlich sind die Übungen für jedes Alter geeignet.

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