Beeinträchtigt Fernsehen und der Computer das Lernen?

Dummes Zeug kann man viel reden
Kann es auch schreiben.
Wird weder Leib noch Seele töten.
Es wird alles beim Alten bleiben.

Dummes aber vors Auge gestellt
Hat ein magisches Recht.
Weil es die Sinne gefesselt hält,
bleibt der Geist ein Knecht.
Johann Wolfgang von Goethe

Schon in den 60er Jahren interessierten sich Forscher in den USA dafür, welchen Einfluss das Fernsehen auf das kindliche Verhalten habe. Überraschenderweise gestaltete sich die Durchführung der Studie als schwierig, da schon damals eine Kontrollgruppe – also Kinder die nicht fern sahen – praktisch in den USA nicht mehr zu finden waren. In den jüngsten Untersuchungen beschäftigen sich Wissenschaftler vor allen mit der Auswirkung eines häufigen Konsums von PC und Fernseher im Hinblick auf Leistungsabfall, Konzentration, Aggressivität, Gesundheit und Sucht bei Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse sind nach den Forschern alarmierend, teilweise wird sogar vor Medienverwahrlosung in unserer Gesellschaft gewarnt.

Macht Fernsehen dumm?

Vor allem Jungen werden nach einer Studie besonders von Computerspielen angezogen. Fast jeder zweite Junge ab dem 10. Lebensjahr hat ein Sammelsurium von Play-Station, Fernseher, PC und DVD-Player in seinem Kinderzimmer stehen. Auf Nachfrage verbringen die meisten Kinder seit dem Besitz dieser Geräte mehr Zeit davor. Das Lernen tritt immer mehr in den Hintergrund. Diese Entwicklung zeigt sich ganz deutlich in der schulischen Leistung. So war 2003 das Verhältnis 39 zu 61 von Jungen und Mädchen, die es geschafft haben, von einer unteren in eine Oberschule zu wechseln. Ende der 80er Jahre gestaltete sich das Verhältnis noch 50 zu 50, also ausgeglichen.

Für den Leistungsabfall des Gehirns werden verschiedene Aspekte genannt. Zum einen wird der Botenstoff Dopamin verantwortlich dafür gemacht. Dieses Hormon wird beispielsweise bei Erfolgserlebnisse wie sie im Sport, beim Musizieren oder beim Schreiben von einer guten Note erzielt werden ausgeschüttet. Jedoch sind diese Erfolge meistens mit Zeit und zum Teil mit Mühe verbunden. Beim Computerspielen wird jedoch dieser Botenstoff in kurzen Intervallen produziert und bewirkt somit während Spielen ein ständiges Glücksgefühl, welches auf einem normalen Erfolgsweg nicht erreicht werden kann.

Einen weiteren Einfluss auf die schulische Leistung beschreibt folgender Sachverhalt: Viele Kinder und Jugendliche schauen gleich nach der Schule fern oder spielen am PC und dies mit Folgen. Die Fernseh- und Videobildern der Computerspiele überlagern leider ständig das am Vormittag in der Schule Gelernte, da die Bilder in den gleichen Gehirnarealen abgespeichert werden. Geschieht dies ständig – Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr - ist ein Leistungsabfall nicht zu vermeiden.

Der dritte Aspekt betrifft den Tiefschlaf. In dieser Schlafphase erfolgt eine Neuaktivierung des frisch Gelernten und eine Nachverarbeitung der Inhalte. Wer jedoch bis spät in den Abend bis kurz vor dem Einschlafen einen Action- oder Horrorfilm ansieht, beeinträchtigt den Tiefschlaf und stört somit den optimalen Aufbau des Langzeitgedächtnisses.

Macht Fernsehen krank und dick?

Eine Studie von der University of Otago weißt darauf hin, dass ein Fernsehkonsum von mehr als zwei Stunden für Kinder abzuraten sei. Bei längerem Schauen können später gesundheitliche Probleme entstehen. Die Forscher stellten fest, dass Erwachsene die als Kinder viel fernsehen gesehen haben, eher übergewichtig waren, rauchten und über hohe Cholesterinwerte verfügten. Ähnliche Daten wurde von der EPIC-Norfolk Studie vorgelegt.

Ab wann entsteht Medienabhängigkeit?

Schon seit 1995 taucht der Begriff Medienabhängigkeit in der Wissenschaft auf, doch eine allgemein gültige Definitionen gibt es bis heute noch nicht. Die Forschung steckt hier noch in den Anfängen. Nach den Experten gelten ungefähr 5 Millionen Kinder als medienabhängig. Einig ist man sich, wenn ein Kind mehr als vier Stunden vor dem Fernseher oder dem Computer verbringt, treten Konzentrationsschwäche, Gereiztheit, Leistungsabfall oder Schlafstörungen auf. Wahlloses konsumieren, vermischen von virtueller und realer Welt, entwickeln Ängste und Schlafstörungen, das „nicht Aufhören können“ sind krankhafte Anzeichen. Trotzdem muss in jedem Fall individuell entschieden werden, wann eine Medienabhängigkeit zu diagnostizieren ist und wann nicht. Seit 2003 bietet eine Kinderkurklinik an der Ostsee bundesweit eine Therapie an.

Kontrollierter Umgang mit dem Fernseher und PC

Die modernen Medien gehören in unserer Gesellschaft zum Alltag. Kinder das Fernsehen zu verbieten ist sicherlich nicht sinnvoll, zu mal in fast jeder Familie mindestens einer vorhanden ist. Trotzdem sollten Eltern genausten darüber informiert sein, was ihre Kinder sehen bzw. am PC spielen und wie lange davor gesessen wird.

Kinder nehmen Filme oder PC-Spiele anders wahr als Erwachsene. Der schnelle Wechsel von Bildern und Tönen führt zur Reizüberflutung. Die Kinder reagieren mit Angst und Unruhe, da sie die vielen unterschiedlichen Eindrücke gar nicht verstehen und verarbeiten können. Ab 5 Jahre sind Kinder fähig eine fiktive Welt von der realen Welt zu trennen, ab 7 können sie einfache Handlungszusammenhänge verstehen und ab 9 wird wichtiges von unwichtigem unterschieden.

Aus diesem Grund sollte(n)

  • der Fernseher für Kleinkinder absolut tabu sein
  • Vorschulkinder nicht mehr als 30 min. schauen
  • Grundschulkinder nicht mehr als 1 Stunde am Tag fernsehen
  • Kinder bis 13 Jahre nach 90 min. den Fernseher oder Computer abschalten

Im Grunde müssen Eltern selbst das richtige Maß mit dem Umgang der Medien für ihre Kinder finden.

In der Medienpädagogik sind noch weitere Tipps beschrieben

  • Schauen Sie vor allem mit Kleinkindern gemeinsam Fernsehen
  • Vereinbaren Sie klare Regeln
  • Sein Sie selbst ein Vorbild
  • Gehen Sie kritisch mit der Nutzung von Programmen und PC-Spielen
  • Den Fernseher oder den Computer nicht als Strafemittel oder Belohnung einsetzen!

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